Frömmigkeit
Der Ausdruck von Frömmigkeit, ob zu Hause oder in der Öffentlichkeit, bestimmte die dörflichen und kleinstädtischen Gemeinschaften des Kreises Tachau. Die wichtigsten Stationen des Lebens, von der Geburt über die Hochzeit bis zum Tod, waren ebenso von kirchlichen Brauchformen beeinflusst, wie der Ablauf des Jahres. Feste wie Kirchweih und Erntedank, dazu die hohen kirchlichen Feiertage Weihnachten, Ostern und Pfingsten,lokale ebenso wie überregionale Wallfahrten bildeten die Höhepunkte im gesellschaftlichen Leben.
Sogenannte "Reichenthaler Muttergottes" (Foto: K. Wilck)Glauben und Aberglauben Das Dasein der ländlichen und kleinstädtischen Bevölkerung im Tachauer Gebiet war sowohl im Ablauf der Tage, Monate und Jahre, wie auch in der Abfolge des Lebens, sehr stark durch den katholischen Glauben, aber auch von Aberglauben geprägt. Besonders um Krankheit und Tod, sowie um die "Armen Seelen" - die Seelen der Verstorbenen, die durch die Qualen des Fegefeuers geläutert und auf den Himmel vorbereitet werden - entstanden viele Bräuche. Die kirchlichen Feiertage, wie Ostern und Weihnachten,und die Feste der Kirchenpatrone sorgten für Abwechslung im arbeitsreichen Alltag. Besondere Höhepunkte waren die Kirchweihfeiern mit ihren Dorffesten und die Wallfahrten. Diese gingen zur schwarzen Muttergottes von St. Maria Loreto in Haid an Maria Himmelfahrt und an Mariä Namen, aber auch am Annatag nach Purschau oder Plan. Die Haider besuchten auch gerne am Tag der Kreuzerhöhung Pleystein in der Oberpfalz.
Handgeschriebenes Gebetbuch um 1880 (Foto: K. Wilck)
Die Scharfeier In vielen Dörfern um Tachau wurde am Fest der Wetterheiligen Johannes und Paulus, 26. Juni, die "Scharfeier" abgehalten. Junge Frauen und Männer sammelten sich im Gemeindehaus und zogen mit einer Marienstatue und geschmückten Kerzen in einer Prozession, unter der Führung eines Vorbeters, nach Tachau. Nachmittags ging es wieder zurück.Die Scharfeierprozession auf dem Tachauer Marktplatz von Prof. Rudolf Böttger
An Peter und Paul, 29. Juni, wurde die Prozession auf den Fluren dieser Dörfer wiederholt. Die Scharfeier sollte Gott bitten, die Gemeindefluren, die in früheren Jahren durch Hagelschlag sehr gelitten hatten, vor ähnlichen Unwettern zu bewahren. Am Abend gab es Tanz, wobei die "Platzmagd", das erste - zumeist reichste oder schönste - Mädchen des Dorfes, gekürt wurde.home