Arbeitswelt
Eine bäuerliche Region Das Gebiet des Bezirks Tachau war zu 58 Prozent von Wäldern bedeckt. Dies ermöglichte eine bedeutende Forstwirtschaft, insbesondere durch die Herrschaften in Tachau, Haid und Dianaberg. In den Ortschaften des nördlichen Kreisgebietes, vor allem in den westlichen Randlagen des Böhmerwaldes mit Höhenlagen von 500 bis 600 Metern, gab es zahlreiche Kleinbetriebe mit Zuerwerb. Dennoch waren die Bauernhöfe meist größer, als in der benachbarten Oberpfalz. Auch das hatte deutsche Kolonisten nach Böhmen geführt. Der Ackerbau war noch ganz von der Dreifelderwirtschaft geprägt. Angebaut wurden Kartoffeln, Weizen, Hafer und Roggen. Die Böden um Altzedlisch und im Haider Land ließen eine erfolgreiche Nutzung zu. Der Landbesitz des Adels prägte das Landschaftsbild. Fast in jedem Dorf befand sich ein herrschaftlicher "Meierhof", was die Einführung neuer Methoden und Techniken auf dem Gebiet der Saat-, Vieh- und Schafzucht förderte. Auch die Teichwirtschaft und der Obstanbau am Südostabhang des Pfraumbergs spielten eine nicht unerhebliche Rolle.Bäuerin in Arbeitskleidung (Foto: K. Wilck)
Ein Blick in die große weite Welt Das raue Klima und die Höhenlagen des Mittelgebirges wirkten sich nachteilig auf die Landwirtschaft im westlichen Bezirk Tachau aus. Dies und der Kinderreichtum der Familien zwangen nicht wenige Menschen, in die USA oder zum Beispiel auch nach Galizien auszuwandern. Eine weitere Möglichkeit, den Lebensunterhalt aufzubessern, bot die Saisonarbeit in den nahen Weltbädern Marienbad und Karlsbad. Junge Frauen und Männer arbeiteten als Küchenhilfe, Zimmermädchen oder Bedienung in einem großen Hotel und verdingten sich als Gebäckträger in einer Bäckerei oder Konditorei. Man verdiente gut und konnte einen Blick in die große weite Welt tun. Viele Männer aus den grenznahen Dörfern gingen während des Sommers als Maurer nach Sachsen oder Bayern. Andere suchten Arbeit in der Knopfindustrie in Bärnau oder in den Porzellanfabriken der Oberpfalz.
Kleidung eines Dienstmädchens aus dem Kreis Tachau, das in den 1920er Jahren in Marienbad arbeitete (Foto: K. Wilck)
Zunftwesen und Gewerbefreiheit Im politischen Bezirk Tachau war, wie in ganz Böhmen, noch bis weit in das 19. Jahrhundert das Handwerk in Zünfte gegliedert, die sich bereits seit dem 16. Jahrhundert nachweisen lassen. So etwa die Haider Töpfer oder die Lebzelter aus Neustadtl. Erst die Gewerbeordnung von 1859 setzte dem Zunftwesen ein Ende und sorgte für mehr Freizügigkeit und Wettbewerb. Während einer dreijährigen Ausbildung musste sich der Lehrling mit den Kenntnissen und Fertigkeiten des Handwerks, das er erlernen wollte, auseinandersetzen. Es folgte eine mehrjährige Tätigkeit als Gehilfe oder Geselle und eventuell der Besuch einer Fachschule. Dieser berechtigte zur Erteilung eines Gewerbescheins und zur Gründung eines selbständigen Handwerksbetriebs.
(Foto:K. Wilck)
Nach dem Anschluss an das Deutsche Reich 1938 wurde für das Egerland die Handwerkskammer Eger gebildet, welche alle Innungen ihres Bereichs zu Kreishandwerkerschaften zusammenfasste.Das nun geltende Recht machte die Ablegung einer Meisterprüfung und die Eintragung in die von der Handwerkskammer geführte Handwerksrolle obligatorisch. (Foto: K. Wilck)
Bewegliches Modell einen Spiegelglasschleife von Josef Hoch (Foto: K. Wilck)
Tachauer Knöpfe für die ganze Welt Um 1840 begann Alexander Lugner einen Handel mit vorwiegend in Heimarbeit hergestellten Holzformen für die Posamentenindustrie. Bald kamen weitere Holzwarenfabriken hinzu und noch vor 1914 wurden Millionen von Knöpfen und Holzperlen in und um Tachau produziert. Ein zweiter wichtiger Industriezweig war die Perlmuttfabrikation. Heinrich Adler und Johann Teutsch errichteten 1880 die erste Fabrik für Perlmuttknöpfe.
(Foto: K. Wilck)
Bald nach 1918 führte Hans Deglmann die Verarbeitung von Galalith (Kunsthorn) in der Tschechoslowakei ein. Dem "Verband der Industriellen und Exporteure von Tachau und Umgebung" gehörten 13 Betriebe im Jahr 1929 an.
Eine wichtige Stütze der Tachauer Fertigung waren der Ideenreichtum ihrer Maschinenbauer und die hervorragenden Facharbeiter. Zu ihrer Ausbildung gab es in Tachau seit 1871 eine "Gewerbliche Fachschule für Holzindustrie". (Fotos: K. Wilck)
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