Volkskultur

 

Traditionen spielten in einem ländlich geprägten Raum, 
wie dem Kreis Tachau, auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts 
noch eine große Rolle. 
Insbesondere an der Kleidung der Menschen, aber auch an den 
Haus- und Siedlungsformen lässt sich das Festhalten an traditionellen Strukturen, 
ebenso wie der Wandel in einer Gesellschaft ablesen. 
Wobei vor allem dem Kontakt mit der mondänen Welt der westböhmischen Bäder, 
etwa durch Saisonarbeit, bei der Einführung von Neuerungen eine besondere 
Bedeutung zukam.

(Foto: K. Wilck)
Mieder, Bauernketten und Lederhosen
"Die Kleidertracht der ländlichen Bevölkerung um Tachau herum ist eine malerische, 
besonders bei dem weiblichen Geschlechte mit den vielen kurzen Röcken, 
den engen kurzen Miedern, den großen seidenen Schürzen und Kopftüchern, 
den bauschigen kurzen Hemdärmeln, den sammtenen Jacken und den silbernen Halsketten 
mit allerlei Schmuckgehängen und Münzen.
Die Tracht der Männer ist nur noch wenig von der bürgerlichen, 
welche allmählich Nachahmung findet, unterschieden, und ist die bewährte 
schwarze Lederhose nur noch selten zu finden."
(Josef Köferl: Der politische Bezirk Tachau. Tachau 1890)

Schon der Karlsbader Volkskundler Josef Hofmann berichtet über 
eine "Eigenheit der Haid-Pfraumberger Landschaft" bei der Tracht 
der verheirateten Frauen: Die "eigenartige große, aus gefälteltem Leinen 
und Spitzen bestehende, gesteifte und mit Perlen und bunten Blümchen 
verzierte Haube. Solche Hauben wurden bis um 1910 noch verfertigt, 
und zwar hauptsächlich von einer geschickten Haubenmacherin in Haid."

"Flinnerl-" oder "Paderlhaube" 
mit zugehöriger Spanschachtel 
und Haubenstock zur Aufbewahrung
Haubenmacherin Barbara Goller,
Haid, um 1910 (Foto: K. Wilck)

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